PwC-Reederstudie 2023: Kli­ma­schutz ist größ­te Herausforderung

96 Prozent der deutschen Reedereien bezeichnen die Erreichung von Klimazielen und Umweltauflagen als größte Hürde / 83 Prozent erwarten Beeinträchtigungen aus geopolitischen Verwerfungen / Zwei von drei Unternehmen spüren den Fachkräftemangel deutlich / Nur noch jeder zweite Reeder rechnet mit Wachstum / Große Mehrheit geht von sinkenden oder stagnierenden Fracht- und Charterraten aus

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Die Boom­jah­re in der mari­ti­men Schiff­fahrt sind vor­bei. Nach eini­gen Jah­ren mit über­durch­schnitt­li­chen Wachs­tums­aus­sich­ten und hohen Container- und Fracht­ra­ten dämp­fen geo­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen und wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen die Geschäfts­er­war­tun­gen. Als größ­te Schwie­rig­keit der kom­men­den Deka­de sehen die Bran­chen­ver­tre­ter die Erfül­lung von Umwelt­auf­la­gen und Kli­ma­zie­len. Ein Groß­teil der befrag­ten Unter­neh­men erwar­tet maß­geb­li­che Beein­träch­ti­gun­gen der Schiff­fahrt durch Han­dels­krie­ge und Embar­gos. Aber auch der Fach­kräf­te­man­gel berei­tet den Ree­de­rei­en zuneh­mend Kopfzerbrechen. 

Zu die­sen Ergeb­nis­sen kommt die 15. Ree­der­stu­die von PwC Deutsch­land, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Bera­tungs­un­ter­neh­men 110 Ent­schei­der aus deut­schen Hoch­see­ree­de­rei­en zu ihrem Blick in die Zukunft befragt hat.

„Als wich­ti­ge Akteu­re im inter­na­tio­na­len See­ver­kehr ste­hen deut­sche Ree­de­rei­en aktu­ell vor zahl­rei­chen Her­aus­for­de­run­gen, die sich auf ihre Geschäfts­tä­tig­keit und ihre Per­spek­ti­ven aus­wir­ken. In dem sich neu ord­nen­den glo­ba­len Markt müs­sen sie mit zuneh­men­der Kon­kur­renz, Unwäg­bar­kei­ten aus geo­po­li­ti­schen Ver­wer­fun­gen und stren­ge­ren Umwelt­auf­la­gen umgehen.“

Dr. André Wort­mann,Lei­ter des Mari­ti­men Kom­pe­tenz­zen­trums bei PwC Deutschland
 

Aus Sicht des PwC-Experten ist der Umbau der Schiff­fahrts­bran­che hin zu nach­hal­ti­ge­ren und umwelt­freund­li­che­ren Lösun­gen drin­gend not­wen­dig, um sich zukunfts­ge­recht auf­zu­stel­len. Laut Stu­die bezeich­nen 96 Pro­zent der Ree­de­rei­en die Errei­chung von Kli­ma­zie­len und Umwelt­auf­la­gen als der­zeit größ­te Hürde.

 

Sie­ben von zehn Ree­de­rei­en redu­zie­ren Emissionen 

Wei­ter­hin skep­tisch sehen die Ree­der die Erreich­bar­keit des von der EU-Kommission aus­ge­ge­be­nen Ziels, die Emis­sio­nen bis 2030 um mehr als 55 Pro­zent gegen­über dem Stand von 1990 zu redu­zie­ren. Aktu­ell mei­nen 23 Pro­zent der Füh­rungs­kräf­te in den Schiff­fahrts­un­ter­neh­men, dass sich die­ses Ziel defi­ni­tiv nicht umset­zen lässt. Das ist ein Anstieg um zehn Pro­zent­punk­te im Ver­gleich zu 2021. 

„Den­noch − oder viel­leicht gera­de des­we­gen − hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine zuneh­men­de Akzep­tanz für umwelt­ge­rech­te Maß­nah­men ent­wi­ckelt“, kon­sta­tiert André Wort­mann. So hat bei­spiels­wei­se der Ein­satz von Smart-Shipping-Tools zuge­nom­men. Mit die­ser Tech­no­lo­gie las­sen sich etwa Rou­te und Treib­stoff­ver­brauch in Echt­zeit nach­ver­fol­gen. In 77 Pro­zent der Ree­de­rei­en kom­men die­se digi­ta­len Werk­zeu­ge mitt­ler­wei­le zum Ein­satz – ein Plus von 13 Pro­zent­punk­ten im Ver­gleich zu 2021. 

Zudem hat sich der Anteil der Ree­de­rei­en, in denen Maß­nah­men zur Emis­si­ons­re­duk­ti­on umge­setzt wur­den, mehr als ver­dop­pelt. Wäh­rend 2021 erst jede drit­te Ree­de­rei berich­te­te, dass sie bewusst Emis­sio­nen redu­ziert, tun dies heu­te bereits 71 Pro­zent. Burk­hard Som­mer, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Mari­ti­men Kom­pe­tenz­zen­trums bei PwC Deutsch­land, fasst zusam­men: „Dem The­ma Kli­ma­schutz kann sich kein Unter­neh­men mehr ent­zie­hen. Die Ree­de­rei­en ver­in­ner­li­chen das immer mehr und neh­men bei der Umset­zung geeig­ne­ter Maß­nah­men deut­lich Fahrt auf.“

 

Gro­ße Unsi­cher­heit mit Blick auf alter­na­ti­ve Treibstoffe 

Gro­ße Ver­un­si­che­rung besteht nach wie vor bei der Fra­ge, wel­che alter­na­ti­ven Treib­stof­fe sich in der Bran­che künf­tig durch­set­zen wer­den. Vie­le Ree­de­rei­en geben an, dass sie den aktu­ell dis­ku­tier­ten alter­na­ti­ven Treib­stof­fen wie LNG oder Was­ser­stoff nicht zutrau­en, sich lang­fris­tig als domi­nie­ren­de Treib­stoff­art durch­zu­set­zen. Ein­zig Metha­nol scheint sich als Lösung her­aus­zu­kris­tal­li­sie­ren; 65 Pro­zent glau­ben, dass er die Lang­stre­cken in 20 Jah­ren domi­nie­ren könnte. 

Die­se Unsi­cher­heit mit Blick auf den Treib­stoff der Zukunft hat gro­ßen Ein­fluss auf die Flot­ten­pla­nung: So sind sie­ben von zehn Befrag­ten der Auf­fas­sung, dass es viel mehr Schiffs­neu­be­stel­lun­gen geben wür­de, wenn klar wäre, wel­che Antriebs­tech­no­lo­gie sich durch­set­zen wird.

 

Beein­träch­ti­gun­gen aus geo­po­li­ti­schen Ver­än­de­run­gen, sin­ken­de Ladungs­auf­kom­men für Chi­na erwartet

Die Ree­der rech­nen damit, dass geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te anhal­ten und wei­ter zu Beein­träch­ti­gun­gen in der Bran­che füh­ren wer­den. Gut jedes zwei­te Unter­neh­men (53 Pro­zent) geht davon aus, dass der Krieg in der Ukrai­ne das Geschäft dau­er­haft belas­tet. 85 Pro­zent hal­ten zudem eine Ver­schie­bung von Fahrt­ge­bie­ten für sicher oder wahr­schein­lich. Die Pro­jek­tio­nen der Ree­der für die nächs­ten fünf bis zehn Jah­re las­sen die Ver­la­ge­rung von Ladungs­strö­men ins mitt­le­re Afri­ka und nach Asi­en erwar­ten. Für Chi­na rech­net die Mehr­heit jedoch mit einem sin­ken­den Ladungsaufkommen.

Jeder Zwei­te ist zudem der Mei­nung, dass die Rück­be­sin­nung auf die eige­ne Regi­on und loka­le Märk­te mehr ist als ein kurz­fris­ti­ges Stroh­feu­er, son­dern sich zu einem nach­hal­ti­gen Trend entwickelt.

„Nach den mul­ti­plen Kri­sen wie Coro­na, Krieg in Euro­pa, Infla­ti­on und Lie­fer­ket­ten­pro­ble­men hal­ten die Ree­der die wei­te­re Auf­wer­tung der regio­na­len Ver­keh­re für ein wahr­schein­li­ches Szenario.“

Dr. André Wort­mann,Lei­ter des Mari­ti­men Kom­pe­tenz­zen­trums bei PwC Deutschland
 

Fach­kräf­te­man­gel macht der Bran­che zu schaffen 

Zu den zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen der Bran­che gehört auch der Fach­kräf­te­man­gel. 85 Pro­zent der Ree­de­rei­en berei­tet das Feh­len von Fach­per­so­nal Kopf­schmer­zen. Zwei von drei Unter­neh­men sind bereits kon­kret betrof­fen: 58 Pro­zent berich­ten, dass ihnen in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten nicht alle benö­tig­ten Fach­kräf­te zur Ver­fü­gung stan­den, da sie die­se nicht im gewünsch­ten Umfang rekru­tie­ren konn­ten und in fast jedem zehn­ten Unter­neh­men (9 Pro­zent) klaf­fen bereits erheb­li­che per­so­nel­le Lücken. Der Fach­kräf­te­man­gel betrifft vor allem höhe­re Rän­ge zur See wie Kapi­tä­ne und Offi­zie­re; aber auch tech­ni­sches Per­so­nal sowie Kauf- und Ver­wal­tungs­fach­leu­te an Land sind schwer zu finden.

 

Nur noch jeder Zwei­te rech­net mit Wachstum 

Dar­über hin­aus berei­ten auch kon­junk­tu­rel­le Unsi­cher­hei­ten der Bran­che zuneh­mend Sor­gen. Aktu­ell sind die Schif­fe zwar in 93 Pro­zent der Ree­de­rei­en noch voll aus­ge­las­tet und die Erwar­tun­gen für die kurz­fris­ti­ge Ent­wick­lung des welt­wei­ten Ladungs­auf­kom­men fal­len ent­spre­chend posi­tiv aus. Sie­ben von zehn Ree­dern ver­tre­ten aller­dings die Ansicht, dass die vie­len Neu­be­stel­lun­gen für Con­tai­ner­schif­fe in ein paar Jah­ren zu signi­fi­kan­ten Über­ka­pa­zi­tä­ten füh­ren werden. 

Und auch die Wachs­tums­aus­sich­ten sind im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren deut­lich gedämpft: Nur noch eine knap­pe Mehr­heit der Füh­rungs­kräf­te (56 Pro­zent) rech­net mit Wachs­tum in den kom­men­den zwölf Mona­ten. Im Vor­jahr gin­gen noch 74 Pro­zent von stei­gen­den Umsät­zen aus.

 

Die gro­ße Mehr­heit erwar­tet sta­gnie­ren­de oder sin­ken­de Raten

„In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren erleb­te die Schiff­fahrts­bran­che einen regel­rech­ten Boom. In Fol­ge der Pan­de­mie explo­dier­te die Nach­fra­ge nach Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten, das Fracht- und Char­ter­ra­ten­ni­veau schnell­te nach oben und damit die Ein­nah­men der Ree­de­rei­en. Mitt­ler­wei­le sind die Raten wie­der gesun­ken und haben sich für zahl­rei­che Schiffs­ty­pen auf ein vor-pandemisches Niveau normalisiert.“

Burk­hard Som­mer,stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Mari­ti­men Kom­pe­tenz­zen­trums bei PwC Deutschland
 

In der Befra­gung gehen 96 Pro­zent der Ent­schei­dungs­trä­ger davon aus, dass das hohe Ein­nah­me­ni­veau der ver­gan­ge­nen bei­den Jah­re kaum zu hal­ten sein wird. Sowohl bei Fracht (83 Pro­zent) als auch bei Char­ter (87 Pro­zent) rech­nen die Befrag­ten mit einem sta­gnie­ren­den oder gar sin­ken­den Ratenniveau.

 

Zum Down­load der voll­stän­di­gen Studie

Ree­der­stu­die 2023

© PwC

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Martin Krause

PwC Communications, PwC Germany

Tel.: +49 151 54181306

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